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Hygiene ab 60: Nicht täglich, nicht wöchentlich – so oft sollten Sie wirklich duschen, um gesund zu bleiben.

Frau im Badezimmer beim Überprüfen eines Wandkalenders, umgeben von Handtüchern und Pflegeprodukten auf einem Regal.

Margaret, 72, steht einen Moment da, die Hand am Wasserhahn, und fragt sich dasselbe, was sie sich das ganze Jahr schon fragt: „Brauche ich das wirklich jeden Tag?“ Ihre Knie schmerzen, sobald sie in die Dusche steigt, ihre Haut fühlt sich jede Woche gespannter an, und die Flasche „extra mildes“ Duschgel scheint kaum zu helfen.

Ihre Ärztin sagte ihr letzten Monat etwas Überraschendes: Tägliches Duschen könnte ihre alternde Haut tatsächlich noch empfindlicher machen. Ihre Tochter hingegen ist entsetzt bei dem Gedanken, seltener zu duschen. Und im Internet findet man zu allem eine Meinung – und das Gegenteil gleich dazu.

Also macht Margaret das, was viele Menschen über 60 heimlich tun: Sie improvisiert. An manchen Tagen eine schnelle „Katzenwäsche“, an anderen eine richtige Dusche, vielleicht auch mal ein langes Bad, wenn sie sich etwas gönnen möchte. Sie hofft nur, dass sie damit nicht still und leise ihrer Gesundheit schadet.

Und genau hier beginnt die eigentliche Geschichte über Duschhäufigkeit nach 60.

Wie oft sollte man nach 60 wirklich duschen?

Sobald man die 60 überschreitet, ist die Haut nicht mehr dieselbe Landschaft wie mit 30. Sie ist dünner, trockener und verletzlicher – wie zartes Papier, das schon zu oft gefaltet wurde. Ein täglicher Schwall heißes Wasser und kräftige Seife spült die natürlichen Fette weg, die dich noch schützen.

Dermatologinnen und Dermatologen, die viel mit älteren Menschen arbeiten, sagen oft denselben Satz: „Das Problem ist nicht Schmutz, sondern Trockenheit.“ Für die meisten gesunden Menschen über 60 liegt der beste Bereich meist bei 2 bis 3 vollständigen Duschen pro Woche – nicht jeden Tag. An den „duschfreien“ Tagen reichen gezieltes Waschen und frische Kleidung für einen großen Teil der Hygiene.

Dieser Rhythmus hilft gegen Körpergeruch, hält Infektionen in Schach und schützt die fragile Hautbarriere. Paradoxerweise bedeutet weniger Wasser oft mehr Wohlbefinden.

In jeder Senioreneinrichtung sieht man dieses Muster. Pflegekräfte ermutigen Bewohnerinnen und Bewohner oft, tägliche Ganzkörperduschen zu vermeiden – außer wenn sie medizinisch notwendig sind. Nicht aus Bequemlichkeit, sondern weil sie die Folgen aus nächster Nähe sehen: rote Stellen, kleine Risse an den Unterschenkeln, Juckreiz, der Menschen die ganze Nacht wach hält.

In einem kleinen französischen Pflegeheim beobachtete die leitende Pflegekraft über sechs Monate Hautprobleme. Bewohnerinnen und Bewohner, die von täglichen Duschen auf 2–3 Duschen pro Woche umstellten und an den anderen Tagen sanft lokal wuschen, hatten weniger Hautrisse und Ausschläge. Weniger Verbände. Weniger Klagen über „Brennen“ nach dem Waschen.

Trotzdem tragen viele ältere Erwachsene noch eine Überzeugung aus ihren Berufsjahren mit sich: „Wenn ich nicht jeden Tag dusche, bin ich schmutzig.“ Diese Stimme im Kopf verschwindet im Ruhestand nicht. Sie prallt nur auf die Realität alternder Haut und müder Gelenke.

Die Wissenschaft stützt zunehmend, was Pflegekräfte und Geriaterinnen und Geriater beobachten. Unsere Haut hat ein Mikrobiom: Milliarden Bakterien, die dort leben und uns schützen. Tägliches Einseifen von Kopf bis Fuß – besonders mit heißem Wasser – entfernt nicht nur Schweiß und Umweltpartikel. Es stört auch diesen lebenden Schutzschild, wodurch die Haut anfälliger für Reizungen und kleine Infektionen wird.

Nach 60 nimmt die Talgproduktion ab. Es gibt schlicht weniger natürliches Fett, das die Haut gegen Seife „abpolstert“. Deshalb können Schienbeine abends kreidig-weiß aussehen. Kürzere Duschen, Fokus auf wichtige Zonen (Achseln, Leistenbereich, Füße, Hautfalten) und Schutz des restlichen Körpers können langfristig sogar dafür sorgen, dass man besser riecht – weil die Haut gesünder bleibt.

Ärztinnen und Ärzte sprechen immer häufiger von „Überhygiene“. Nicht im Sinne von „schmutzig“, sondern im Sinne von „zu aggressiv“. Und dann wird die Duschhäufigkeit zu einer Gesundheitsentscheidung – nicht nur zu einer Gewohnheit.

Praktische Routine: So sieht gute Hygiene nach 60 aus

Es gibt Theorie – und dann gibt es dein echtes Badezimmer um 7 Uhr morgens. Eine realistische Routine für Menschen über 60 sieht oft so aus: 2 bis 3 vollständige Duschen pro Woche plus schnelles, gezieltes Waschen an den anderen Tagen. Das ist das Grundgerüst.

An Duschtagen gilt: „sanft und kurz“: lauwarmes Wasser, 5–8 Minuten, ein mildes, parfümfreies Reinigungsprodukt für Achseln, Leistenbereich, Po, Füße und Hautfalten. Der Rest? Mit Wasser abspülen oder auf Seife ganz verzichten – an Armen, Beinen und Oberkörper, wenn sie nicht wirklich verschmutzt sind.

An Tagen ohne Dusche reichen ein Waschlappen oder ein wiederverwendbares Tuch und eine kleine Schüssel, um Achseln, Intimbereich, Gesicht, Hals und hinter den Ohren aufzufrischen. Saubere Unterwäsche und frische Socken erledigen gefühlt die halbe „Frische-Arbeit“. Es ist einfach, schnell – und die Haut dankt es leise.

Hier kommt der Teil, der oft Scham auslöst, aber selten offen ausgesprochen wird: Viele ältere Menschen duschen bereits seltener, als sie zugeben. Nicht weil es ihnen „egal“ ist, sondern weil es anstrengend ist, rutschig, manchmal beängstigend. Diese Morgen, an denen der Rücken weh tut, das Bad kalt ist und das komplette Ausziehen sich anfühlt wie ein Berg, den man erklimmen muss.

Viele fangen an, Duschen ganz natürlich weiter auseinanderzuziehen, ohne Produkte oder Technik zu ändern. Das kann schlecht enden, wenn die einzige Anpassung lautet: „weniger Wasser, aber wenn, dann dieselbe starke Seife, dieselbe lange heiße Dusche.“ Der Trick ist, die ganze Routine anzupassen – nicht nur die Häufigkeit.

Kleine Veränderungen machen einen großen Unterschied: Haltegriffe in der Dusche, eine rutschfeste Matte, ein Duschhocker, wenn langes Stehen weh tut, und alle Produkte griffbereit. Wenn das Sturzrisiko sinkt, sinkt auch der Stress. Und wenn man weniger angespannt ist, wird Hygiene wieder zu Selbstfürsorge statt zu einer Aufgabe, vor der man sich fürchtet.

„Duschhäufigkeit nach 60 bedeutet nicht, strenger zu sein“, sagt eine geriatrische Dermatologin. „Es bedeutet, freundlicher zu deiner Haut und zu deinen Energiereserven zu sein. Du bist nicht schmutzig, nur weil du nicht jeden Tag duschst.“

Um das praktisch zu machen, legen sich viele Seniorinnen und Senioren ein kleines „Hygiene-Set“ ins Bad oder Schlafzimmer:

  • Ein weicher Waschlappen oder ein wiederverwendbares Tuch, nur für Gesicht und Achseln
  • Ein zweites Tuch für den Intimbereich, nach jeder Nutzung heiß gewaschen
  • Ein parfümfreies, mildes Reinigungsprodukt oder ein Syndet-Stück
  • Eine Pumpflasche mit leichter Feuchtigkeitscreme am Waschbecken, nicht nur in der Dusche
  • Saubere Unterwäsche und Socken, schon für den nächsten Morgen bereitgelegt

So kann man sich auch an Tagen, an denen eine vollständige Dusche zu viel ist, wirklich frisch fühlen. Nicht „Ich habe das Nötigste getan“, sondern: „Ich habe heute gut für mich gesorgt.“

„Sauber“ nach 60 neu denken: mehr Komfort, weniger Schuldgefühl

Es gibt einen mentalen Wechsel, wenn man fragt: „Was bedeutet sauber für mich jetzt?“ – statt alte Routinen aus dem Berufsleben zu kopieren. Nach 60 geht es bei guter Hygiene weniger um Ritual und mehr um Strategie.

Du schützt eine Haut, die dich jahrzehntelang getragen hat. Du managst Körpergeruch, ja – aber auch Reibung in Hautfalten, das Risiko von Pilzinfektionen, kleine Wunden, die langsamer heilen. Die richtige Duschhäufigkeit wird sogar zu einem Werkzeug gegen Einsamkeit, weil Wohlbefinden in der eigenen Haut oft entscheidet, ob man die Einladung zum Kaffee annimmt – oder absagt.

Und dann gibt es die emotionale Seite, die auf keinem Rezept steht: Scham. Menschen haben Angst, dafür beurteilt zu werden, seltener zu duschen oder Hilfe zu brauchen. Sie tun so, als wäre alles in Ordnung, während sie still mit juckender Haut, Schwindel unter der Dusche oder der Angst vor dem Ausrutschen kämpfen. Offen darüber zu sprechen, dass 2–3 Duschen pro Woche ein gesunder Normalfall sein können – keine Niederlage –, kann überraschend viel Last von den Schultern nehmen.

Vielleicht ist die einfachste Denkweise diese: Dein Ziel ist nicht, jeden einzelnen Tag „super sauber“ zu sein. Dein Ziel ist, dich wohl, sicher und selbstbewusst zu fühlen. Du darfst die Regeln ändern.

Kernpunkt Details Nutzen für Leserinnen und Leser
Optimale Häufigkeit 2–3 vollständige Duschen pro Woche für die meisten Menschen über 60 Bietet einen realistischen, gesundheitsbasierten Richtwert
Gezielte Hygiene Lokales Waschen von Achseln, Leistenbereich, Füßen und Gesicht an den anderen Tagen Hält Frische und Würde, ohne den Körper zu erschöpfen
Hautschutz Kurze, lauwarme Duschen und milde Reinigungsprodukte, plus regelmäßiges Eincremen Reduziert Trockenheit, Juckreiz und Hautrisse, die den Alltag stören

FAQ

  • Wie oft pro Woche sollte eine 70-jährige Person duschen?
    Für die meisten gesunden älteren Erwachsenen reichen 2–3 vollständige Duschen pro Woche, kombiniert mit täglicher gezielter Reinigung wichtiger Bereiche. Bestimmte Erkrankungen oder starkes Schwitzen können Anpassungen erfordern – am besten in Absprache mit der Ärztin oder dem Arzt.

  • Ist es ungesund, nach 60 jeden Tag zu duschen?
    Tägliches Duschen ist nicht automatisch gefährlich, aber heißes Wasser und starke Seifen können alternde Haut schädigen. Wenn du täglich duschst, dann kurz, lauwarm und mit sanften Produkten nur dort, wo es wirklich nötig ist.

  • Wird Körpergeruch schlimmer, wenn man seltener duscht?
    Wenn du Achseln, Leistenbereich, Füße und Hautfalten täglich sauber und trocken hältst, bleibt Körpergeruch meist gut kontrollierbar. Starker, anhaltender Geruch kann auf eine Infektion, Ernährungsfaktoren oder Medikamentenwirkungen hinweisen – das lohnt sich ärztlich abzuklären.

  • Was ist besser nach 60: Baden oder Duschen?
    Eine kurze Dusche ist meist sicherer und leichter zugänglich. Bäder können Muskeln entspannen, bergen aber ein höheres Sturzrisiko und können die Haut austrocknen, wenn das Wasser zu heiß ist oder das Bad zu lange dauert. Wenn du Bäder liebst: gelegentlich und kurz – und an Haltegriffe denken.

  • Wie spreche ich mit einem Elternteil, der sich weigert zu duschen?
    Ohne Vorwürfe – mit Fokus auf Komfort und Sicherheit: ein wärmeres Bad, ein Duschstuhl, Hilfe beim Haarewaschen oder an manchen Tagen auf Teilwaschung umstellen. Oft sind Angst vor dem Ausrutschen oder Scham wichtiger als „Faulheit“. Zuhören öffnet mehr Türen als Drängen.

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