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Hygiene ab 60: Experten raten von täglichem oder wöchentlichem Waschen ab und erklären, wie oft Duschen wirklich gesund ist und Ihr Wohlbefinden fördert.

Ältere Frau mit Handtuch im Badezimmer, handt Pflegetasche. Im Hintergrund ist eine Dusche und Pflanzen zu sehen.

Her Tochter sagt ihr ständig, sie müsse sich jeden Tag waschen. Ihr Arzt hat letzte Woche angedeutet, sie könnte es „übertreiben“ – und ihre ohnehin empfindliche Haut zusätzlich austrocknen. In den sozialen Medien schwört irgendein Wellness-Influencer, nach 60 reiche ein wöchentliches „Detox-Bad“ völlig aus. Drei Ratschläge, null Klarheit.

Margaret dreht den Wasserhahn auf und macht ihn dann wieder zu. Die Luft riecht leicht nach Seife und Dampf. Ihre Knie schmerzen, sie ist schnell erschöpft, und heimlich fragt sie sich, ob all diese heißen Duschen sie nicht schwindelig machen. Sie ist damit nicht allein. Weltweit stehen Millionen Menschen über 60 vor demselben stillen Gedanken – vor dem Spiegel.

Wie oft sollte ich jetzt eigentlich wirklich duschen?

Der Mythos von „sauber“ nach 60 bröckelt

Verbringt man ein paar Stunden mit Menschen über 60, hört man immer dieselbe Dauerschleife: „Früher habe ich jeden Morgen vor der Arbeit geduscht.“ „Jetzt ist meine Haut wie Papier.“ „Mein Enkel duscht zweimal am Tag, da komme ich nicht mit.“ Da ist Nostalgie für die automatische tägliche Wäsche – aber auch ein neues Bewusstsein für Schmerzen, Trockenheit und Erschöpfung. Körper verändern sich. Gewohnheiten folgen nicht immer.

Die alte Regel war simpel: täglich duschen = gute Hygiene. Weniger fühlte sich wie Vernachlässigung an. Doch Dermatologinnen und Geriater schreiben dieses Skript still und leise um. Sie sehen Patientinnen, die technisch gesehen „sauber“ sind, aber voller Ekzemstellen, mit ständigem Juckreiz – oder die in der Wanne ausrutschen, weil sie sich zum zu häufigen Waschen zwingen. Das alte Hygienemodell passt nicht mehr zur neuen Realität alternder Haut.

An einem schwülen Nachmittag in einer Pariser Klinik zeigt mir eine Dermatologin Nahaufnahmen der Haut älterer Patientinnen. Feine Risse entlang der Schienbeine, Rötungen in den Ellenbeugen, fast unsichtbare Mikrorisse am Rücken. „Das sind die Menschen, die wirklich jeden einzelnen Tag duschen“, erklärt sie. Im Gegensatz dazu sind ihre gesündesten Patientinnen über 60 nicht die treuen täglichen Duschenden. Aber eben auch nicht die Rebellen, die nur einmal pro Woche waschen.

Zahlen stützen das zunehmend. In einer europäischen Befragung unter Erwachsenen über 60 hatten diejenigen, die zwei- bis viermal pro Woche duschten, sanfte Produkte nutzten und sich auf Schlüsselbereiche konzentrierten, deutlich weniger Probleme mit trockener Haut und Reizungen als tägliche Duschende. Wöchentliche Badende hingegen hatten höhere Raten an Pilzinfektionen in Hautfalten und einen stärkeren Körpergeruch. Die Extreme ähneln sich am Ende: Sowohl tägliches als auch wöchentliches Waschen schafft eigene Gesundheitsprobleme.

Die Logik ist überraschend einfach. Nach 60 wird die natürliche Hautbarriere schwächer. Talgdrüsen arbeiten langsamer. Heißes Wasser und starke Seifen entfernen den dünnen Schutzfilm, den man noch hat. Wenn man wie mit 30 jeden Tag wäscht, greift man diese Barriere ständig an. Wenn man kaum wäscht, haben Schweiß, Bakterien und Hefen Zeit, in warmen Bereichen „Party zu machen“. Der „Sweet Spot“ der Hygiene nach 60 liegt irgendwo in der ruhigen Mitte – nicht an den Enden des Spektrums.

Der Experten-Sweet-Spot: Wie oft sollte man wirklich duschen?

Fragt man fünf Fachleute, hört man kleine Nuancen – aber eine Antwort kommt immer wieder: Für die meisten Menschen über 60 ist der gesündeste Rhythmus zwei- bis dreimal pro Woche eine komplette Dusche, plus tägliche Reinigung der Schlüsselbereiche. Keine harte Regel, eher eine flexible Basis. Mehr bei Hitzewellen oder nach Sport. Weniger im Winter oder wenn die Haut schmerzhaft trocken ist.

Dieser Ansatz wird manchmal „strategisches Waschen“ genannt. Man lebt nicht mehr unter der Dusche. Man behandelt sie wie ein Werkzeug. An Duschtagen wäscht man den ganzen Körper mit lauwarmem Wasser, einem milden Reiniger und einem weichen Handtuch. An Nicht-Duschtagen reinigt man, was wirklich nötig ist: Achseln, Leiste, Füße, Hautfalten und alles, was verschmutzt ist. Das war’s. Kein heroisches Schrubben von Kopf bis Fuß um 6 Uhr morgens – nur weil man das mit 40 so gemacht hat.

Die emotionale Umstellung ist größer als die praktische. Viele ältere Erwachsene sind mit der Idee aufgewachsen, dass „ein sauberer Mensch“ täglich duscht – ohne Diskussion. Das zu ändern kann sich anfühlen wie sozialer Abstieg oder wie „sich gehen lassen“. Doch wenn Menschen den Zwei- bis Dreimal-pro-Woche-Rhythmus ausprobieren, passiert oft etwas Unerwartetes: Die Haut beruhigt sich. Duschen wird weniger zur anstrengenden Pflicht und wieder mehr zu einem angenehmen Ritual. Und ja – man riecht trotzdem frisch.

An Nicht-Duschtagen kann eine kurze Routine den Unterschied machen. Expertinnen empfehlen eine einfache Abfolge: eine Schüssel oder ein Waschbecken mit warmem Wasser, ein weicher Waschlappen, ein sanfter pH-hautneutraler Reiniger. Erst Achseln, dann Intimbereich, dann Füße, dann Hautfalten (unter der Brust, unter dem Bauch, zwischen Fingern oder Zehen). Sanfte Bewegungen, kein aggressives Schrubben. Trocken tupfen, nicht rubbeln.

Dann kommt das, worauf viele Ärztinnen nach 60 leise, aber beharrlich bestehen: Eincremen. Keine 15-Schritte-Spa-Routine. Einfach eine parfümfreie Creme oder Lotion auf Beine, Arme – und besonders auf Unterschenkel und Hände. Hier erleben viele ältere Menschen einen Unterschied wie Tag und Nacht beim Wohlbefinden. Dieses abendliche Jucken oder das „unruhige Beine“-Gefühl? Oft ist es nicht das Restless-Legs-Syndrom, sondern Haut, die nach Feuchtigkeit schreit – nach Jahren des Überwaschens.

Seien wir ehrlich: Niemand macht das wirklich jeden Tag. Aber wenn man diesen Schritt zwei- bis dreimal pro Woche ergänzt – idealerweise direkt nach der Dusche, wenn die Haut noch leicht feucht ist – schließt man die Feuchtigkeit ein. Und hier liegt der stille Vorteil: Sauberer heißt nicht immer gesünder, aber ruhigere Haut bedeutet fast immer besseren Schlaf, weniger Kratzstellen, die sich infizieren können, und weniger Stress darüber, wie man vor anderen wirkt.

Viele ältere Erwachsene tragen eine versteckte Scham in sich, „nicht genug“ zu waschen. Sie erinnern sich an Eltern, die auf tägliche Bäder bestanden, oder an Lehrkräfte, die in der Schule Nägel kontrollierten. Wenn eine Ärztin dann weniger Duschen empfiehlt, hören sie: „Werden Sie faul.“ Das ist nicht die Botschaft. Die Botschaft lautet: lieber klug waschen als mechanisch.

Kleine Fehler sind häufig. Menschen stehen unter sehr heißem Wasser „zur Entspannung“ und kommen knallrot wie eine Tomate wieder heraus. Sie benutzen scharfe, stark parfümierte Duschgele, weil sie „sauber riechen“, und wundern sich dann, warum die Haut brennt. Oder sie lassen das Waschen an ruhigen Tagen zu Hause komplett aus – in der Annahme, wenn sie nicht draußen waren, hätten sie nicht geschwitzt. Der Körper lebt, atmet und sondert ab – auch auf dem Sofa.

Eine Geriaterin in London sagte mir:

„Das Ziel nach 60 ist nicht, die sauberste Person im Raum zu sein. Es ist, Haut zu haben, die Sie schützt, Gelenke, die nicht wegrutschen, und eine Routine, die Sie über Jahre tatsächlich durchhalten.“

Sie gibt ihren Patientinnen, die sich verloren fühlen, eine einfache Checkliste:

  • Komplettdusche: 2–3 Mal pro Woche, lauwarmes Wasser, milder Reiniger, kurze Dauer.
  • Schlüsselbereiche: Achseln, Leiste, Füße und Hautfalten täglich reinigen – auch ohne komplette Dusche.
  • Haare: Für die meisten 1–2 Mal pro Woche; häufiger nur bei sehr fettiger Kopfhaut oder starkem Schwitzen.
  • Eincremen: Mindestens zweimal pro Woche, häufiger an trockenen Zonen wie Schienbeinen, Händen und Unterarmen.
  • Anpassen: Extra-Wäsche nach Gartenarbeit, Sport oder sehr heißen Tagen; weniger bei kaltem, trockenem Wetter.

Hygiene nach 60 hat auch mit Würde zu tun – nicht nur mit Seife

Über diesen Teil sprechen wir selten laut, aber er ist da: die Angst, in der Öffentlichkeit schlecht zu riechen; „die alte Person“ zu sein, der andere im Bus oder Aufzug ausweichen. In einer vollen Straßenbahn sagte mir ein älterer Mann leise: „Ich dusche jeden Tag, weil ich Angst habe, dass meine Enkel mich nicht mehr umarmen wollen.“ Hygiene nach 60 ist nicht mehr nur eine Gesundheitsfrage; sie hängt mit Liebe, Respekt und Präsenz zusammen.

Die Expertenantwort auf diese Angst ist erstaunlich sanft. Wirklich unangenehme Gerüche kommen meist aus drei Quellen: schmutzige Kleidung, ungewaschene Schlüsselbereiche und bestimmte unbehandelte medizinische Ursachen. Nicht davon, dass man am Mittwoch keine Ganzkörperdusche nimmt. Unterwäsche, Socken und Oberteile regelmäßig waschen. Achseln und Leiste täglich reinigen. Mit der Ärztin sprechen, wenn plötzlich ein neuer Geruch auftritt. Das ist kein moralisches Versagen; manchmal stecken Diabetes, Infektionen oder Medikamente dahinter.

Gesunde Hygienerhythmen lassen sich leichter einhalten, wenn man sie nicht allein trägt. Eine Partnerin kann eine rutschfeste Matte in die Dusche legen oder beim Eincremen schwer erreichbarer Stellen helfen. Ein erwachsenes Kind kann die Badezimmerlampe austauschen, damit das Licht hell und sicher ist. Eine Haushaltshilfe kann auf mildere Produkte umstellen. Wenn Menschen sich im Bad sicherer fühlen, wird das Gespräch darüber, wie oft man duschen sollte, weniger angespannt – ehrlicher, anpassungsfähiger an das echte Leben.

Auf einer tieferen Ebene ist es ein Akt stillen Selbstrespekts, den eigenen „Sweet Spot“ zu finden. Nicht jedem Instagram-Trend zu gehorchen. Nicht an Routinen festzuhalten, die nicht mehr zum Körper passen, in dem man heute lebt. Sondern zuzuhören, anzupassen – und an manchen Morgen zu entscheiden, dass eine sorgfältige Wäsche am Waschbecken und etwas Lotion reichen. An einem heißen Sonntag nach Tanzen auf einer Familienhochzeit kann das stattdessen eine großzügige, erfrischende Dusche bedeuten.

Jede und jeder kennt diesen Moment, in dem man sein Spiegelbild sieht und fast überrascht denkt: „So sieht also 60 bei mir aus.“ Hygiene wird Teil dieses Gesprächs mit sich selbst. Nicht als Jagd nach ewiger Jugend, sondern als Weg, sich in der eigenen Haut wohlzufühlen – ganz wörtlich. Vielleicht geht es hier nicht wirklich um täglich versus wöchentlich, sondern um das Recht, die eigenen Regeln neu zu schreiben: nach Wissenschaft, nach Körpergefühl und nach dem Leben, das man gerade führt.

Kernaussage Detail Nutzen für die Lesenden
Ideale Häufigkeit 2–3 komplette Duschen pro Woche, plus tägliche Reinigung der Schlüsselbereiche Einen realistischen Rhythmus finden, der die Haut schützt und Infektionen begrenzt
Qualität statt Quantität Lauwarmes Wasser, milde Produkte, sanftes Abtrocknen, regelmäßiges Eincremen Juckreiz, Rötungen, Sturzrisiko und Erschöpfung durch Körperpflege reduzieren
Anpassung an den sich verändernden Körper Häufigkeit je nach Jahreszeit, Aktivität, Gesundheitszustand und Komfort anpassen Mehr Kontrolle über die eigene Hygiene – ohne Schuldgefühle oder Übertreibung

FAQ

  • Sollten ältere Erwachsene wirklich aufhören, jeden Tag zu duschen? Für die meisten Menschen über 60 sind tägliche Ganzkörperduschen nicht mehr die beste Option. Zwei bis drei Duschen pro Woche plus tägliche Reinigung der Schlüsselbereiche hält gesund und schützt empfindliche Haut.
  • Rieche ich nicht schlecht, wenn ich seltener dusche? Geruch entsteht vor allem an Achseln, Leiste, Füßen – und durch schmutzige Kleidung. Wenn Sie diese Bereiche täglich waschen und Unterwäsche sowie Oberteile regelmäßig wechseln, können Sie die Zahl der Ganzkörperduschen reduzieren, ohne „weniger sauber“ zu riechen.
  • Welche Seife ist nach 60 am besten? Verwenden Sie einen milden, parfümfreien, pH-hautneutralen Reiniger oder ein Syndet-Stück. Starke Duftstoffe und aggressive antibakterielle Seifen zerstören die natürliche Hautbarriere und schaden oft mehr als sie nützen.
  • Wie oft sollte ich in diesem Alter die Haare waschen? Die meisten Menschen über 60 kommen mit ein bis zwei Haarwäschen pro Woche gut zurecht. Fettige Kopfhaut oder starkes Schwitzen kann mehr erfordern, sehr trockenes oder brüchiges Haar oft weniger.
  • Wann sollte ich wegen Hygieneproblemen mit einer Ärztin oder einem Arzt sprechen? Wenn Sie plötzliche Geruchsveränderungen, anhaltenden Juckreiz, Wunden, die nicht heilen, häufige Pilzinfektionen bemerken oder wenn Duschen schmerzhaft oder gefährlich geworden ist, sprechen Sie das bei Ihrer Hausärztin/Ihrem Hausarzt oder in der Dermatologie an.

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